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ROLLER-TEST

PIAGGIO MEDLEY 125, MEDLEY 125 S & MEDLEY 150


Text: Redaktion
Fotos: Thomas Maccabelli (7), Motomobil (2)
 

MULTITALENT

Bei zwei effektvollen Varianten in zwei nahe liegenden Hubräumen kann sich schon ein gewisser da-Vinci-Effekt und eine schwierige Auswahl ergeben


Piaggio Medley 125
 


Mit dem Großradroller mit modernem iGet-Motor und Start-Stopp-Automatik hat der italienische Rollerkonzern Piaggio im Jahr 2016 ins Schwarze getroffen und einen Riesenerfolg gelandet. In Österreich wurden 2019 fast 400 Exemplare des Medley verkauft, damit liegt er hinter zwei Vespa-Modellen am dritten Platz der Hitparade der 125er-Roller (Platz vier unter den Motorradrollern überhaupt). Damit wurde das gesteckte Ziel erreicht – nämlich der wichtigste Piaggio-Roller zu werden. Seine Würze in Kürze: Komfort, Fahrsicherheit, feine Ausstattung und „nobler“ Anspruch wie bei der High-end-Baureihe Piaggio Beverly – aber zum Mitnahmepreis.

Der für 2020 bereits eingetroffene neue Medley 125 baut auf dem bisherigen Modell und dessen homogenem Konzept auf, er wurde aber in wichtigen Details wirksam aufgefrischt. Gleich zu den neuen Medley-Preisen, die zur Einführung unterm Strich sogar noch attraktiver kalkuliert wurden: Der Piaggio Medley 125 kostet 3399 Euro; in der etwas sportlicher designten S-Version mit Online-Connectivity beträgt der Preis 3499 Euro. Als 150er-Version mit etwas mehr Leistung und Drehmoment schlägt er mit 3599 beziehungsweise mit 3699 Euro zu Buche.

Beim neuen Medley wurde das markante Design der Piaggio-Großradroller (Liberty, Medley und Beverly) modernisiert; das Fahrwerk wurde in einigen Details geändert; der der Vierventilmotor ist aber in wesentlichen Merkmalen erneuert. Dabei erfreut die im alltäglichen Umgang wichtigste Begleiterscheinung, dass nämlich die Leistungsausbeute von 9 kW (12,2 PS) auf die gesetzlich maximal erlaubten 11 kW (15 PS) merklich gestiegen ist. Sogar auch das Drehmoment liegt mit 12 Newtonmetern etwas höher (vorher: 11,5 Newtonmeter) und bleibt zudem über eine größere Drehzahlbreite auf diesem Niveau.

Piaggio Medley 125
16 Zoll vorne und 14 Zoll hinten; der schlanke
Mitteltunnel ermöglicht großzügigen Gepäckraum
Piaggio Medley 125
Die „sportliche“ S-Version hat Wave-Bremsscheiben,
goldene Bremssättel und diverse rote Akzente
 

Dafür wurde der komplette Zylinderkopf samt Nockenwelle und Kanälen modifiziert sowie der Kolben neu konstruiert; die EFI ist neu; außerdem hat der Luftfilterkasten um 1,5 Liter mehr Volumen und arbeitet nach dem Prinzip eines Helmholtz-Resonators; der Auspufftopf ist um 40 Prozent größer; die stufenlose Variomatik wurde besser abgestimmt. Bei der Start-Stopp-Automatik gibt es die Neuerung, dass man an der Ampel den pausierenden Motor mit einem kurzen Gasstoß aktivieren kann und er nachher im Leerlauf verbleibt.

Das ist dann nützlich, wenn man wirklich rasch losbrausen und den Motor sozusagen „vorspannen“ will – denn Konkurrent Honda hat das Start-Stopp-System, bei dem der Kolben immer in der optimalen Postion auf die Erweckung wartet, für seine eSP-Motoren patentiert. Auch der iGet-Motor erwacht unmittelbar, aber etwa– gefühlte – zwei Zehntelsekunden später. Beim Ampelstart kann das die Länge einer Motorhaube sein, wenn nicht sogar eines Babyelefanten. Natürlich kann man das Start-Stopp-System auch komplett deaktivieren. Und ein „Tilt-Sensor“ stellt den Motor ab, wenn der Roller im Unglücksfall zu liegen kommt.

Wie vom Medley bereits gewohnt, müssen Motoröl und Ölfilter nur alle 10.000 Kilometer gewechselt werden; das Ventilspiel wird lediglich alle 20.000 Kilometer kontrolliert. Als Höchstgeschwindigkeit gibt Piaggio für das neue Modell 99 Stundenkilometer an, die werden auch mühelos erreicht. Dabei bleibt der Treibstoffverbrauch zumeist unter 2,5 Litern auf 100 Kilometer – das Triebwerk hat mit Rollenkipphebeln oder versetzten Kolbenbolzen alle Merkmale eines modernen Spritsparmotors.
 
Piaggio Medley 125
Der Vierventilmotor ist fast komplett neu und ist jetzt
an der gesetzlichen Leistungsgrenze mit 11 kW (15 PS)
Piaggio Medley 125
Die Zweikreis-ABS-Bremsanlage bietet
feines Feeling und hohe Wirksamkeit
 

Beim Fahrwerk setzt Piaggio wieder auf ein 16-Zoll-Vorderrad und 14 Zoll hinten, sowie einen kleinen, nicht allzu hohen Mitteltunnel im Fußraum (während der Honda SH125i als direktes Konkurrenzfabrikat auch hinten 16 Zoll Radgröße und einen komplett ebenen Durchstieg aufweist). Durch den Treibstofftank unterm Trittbrett ergibt sich dann ein für einen 125er extrem großer Sitzbankstauraum mit 36 Liter Volumen, außerdem bleibt in der Schürze Platz für ein Handschuhfach mit 12-Volt-Outlet. Unter den per Knopfdruck elektrisch zu öffnenden Sattel passen bequem zwei große Vollvisierhelme. Der durch das 14-Zoll-Rad bewirkte (theoretische) geringe Komfortverlust gegenüber einem 16-Zoll-Hinterrad ist praktisch kaum wirksam, der Medley macht im Gegenteil sogar einen sehr gesäßfreundlichen Eindruck.

Der Hinterreifen wurde gegenüber dem Vormodell auf den sportlich designten neuen Felgen etwas breiter (genauer gesagt 120 statt 110 Millimeter), gefahren wird auf qualitätvollen Michelin City Grip als Erstausstattung. Die Abstimmung der Federelemente (mit gleichen Federwegen wie bisher) wurde laut Piaggio-Technikern optimiert. Deutlich spürbarer ist aber die Konfiguration der Zweikreis-ABS-Bremsanlage mit geänderten Belägen, die jetzt wirklich feinfühlig und gleichzeitig mit geringer Handkraft höchst wirksam arbeitet.

Durch eine ausgewogene Gewichtsverteilung zusammen mit dem sehr passablen Fahrzeuggewicht von 136 Kilo (trocken, beziehungsweise 144 Kilo betriebsbereit) ergeben sich Wendigkeit und viel Fahrfreude. Auch holprige Straßenstücke – Großrad sei dank – nimmt der Medley 125 ohne Murren. Die Sitzposition auf dem angenehm konturierten neuen Sattel darf als „universell“ bezeichnet werden: Zarte Führerschein-Neulinge, B-Führerschein-Besitzer als auch Menschen deutlich über einsachtzig Größe werden sich mit dem Platzangebot auf Anhieb zurecht finden. Ein serienmäßiger Gepäckträger ist gleichzeitig die Trägerplatte für das optionelle Topcase, außerdem sind im Zubehörangebot drei verschiedene Windschilde, mit denen der Roller an den individuellen Einsatzzweck angepasst werden kann: Die kleine Verkleidung des feschen LED-Scheinwerfers schützt den Oberkörper vor Wind und Wetter nur mäßig.
 
Piaggio Medley 125
Zwei große Vollvisierhelme
finden bequem Platz
Piaggio Medley 125
Übersichtliches LCD-Cockpit; die MIA-Connectivity
in der S-Version ist enorm vielseitig
 

Medley-Basisversion oder um schlanke 100 Euro mehr die S-Variante? Eine schwierige Wahl? Schon der „einfache“ Piaggio Medley 125 wirkt mit feiner Lackierung, hochwertigen Beifahrerfußrasten und braunem Sattel äußerst gediegen. Der Medley S kommt mit Wave-Bremsscheiben, goldenen Bremssätteln sowie roten Akzenten bei den Sattelnähten, beim Wabengitter in der Frontschürze und bei den hinteren Stereostoßdämpfern. Am allerwichtigsten aber, und das könnte für eine Entscheidung ausschlaggebend sein: Das umfangreiche Piaggio-Konnektivitätssystem MIA ist beim S serienmäßig.

Das Bluetooth-Modul ist hier bereits drin, und muss nicht (um einen kostspieligeren Betrag) nachgerüstet werden. Das MIA-System ist hoch entwickelt, mit ihm erwacht außerdem das ausgeklügelte und gut ablesbare LCD-Panel im Cockpit zu voller Betriebsamkeit: Am Smartphone eingehende Telefonate oder SMS werden angezeigt und können über eine Mode-Taste an der rechten Lenkerarmatur gemanagt werden, ebenso der Musikplayer des Telefons oder Streamingdienste. Damit nicht genug: Die unter Android und iOS funktionierende Piaggio-App ist auch Bikefinder, Bordcomputer und speichert Routeninfos (von der Wegstrecke bis hin zur gefahrenen Schräglage).
 
Piaggio Medley 125
Das charakteristische Design
der Stereo-LED-Heckleuchten …
Piaggio Medley 125
… findet man auch beim markanten
Tagfahrlicht in der Frontschürze
 

Falls man nicht (eventuell wegen des B-111-Führerscheins) auf den Achtelliter angewiesen ist, gibt es noch eine weitere knifflige Entscheidung: 125 oder 150 Kubik? Denn den Medley gibt es heuer auch als 150er mit 12,1 kW (16,5 PS) Motorleistung. Das wirkt jetzt nicht exzessiv, aber das bedeutet auch 15 statt 12 Newtonmeter Drehmoment. Und das heißt zwar nicht Rasanz, aber in der Praxis gefühltermaßen etwas mehr Souveränität und die bessere Wahl für den Zweipersonenbetrieb. Außerdem ist der um 20 Prozent größere Hubraum zu einem Mehrpreis von jeweils 200 Euro gleichzeitig die eleganteste und kostengünstigste Möglichkeit des Roller-Tunings. Die Spitze steigt von 99 auf 106 Stundenkilometer. Schön, dass der neue Piaggio Medley derartige Entscheidungsschwierigkeiten bereitet.
 
Piaggio Medley 125
Das neue Medley-Modell 2020 ist in Österreich
auch mit 150 Kubik Hubraum erhältlich
Piaggio Medley 125
Allround-Scooter mit viel Platz, tollen
Fahreigenschaften und schickem Auftritt
 


TECHNISCHE DATEN: PIAGGIO MEDLEY 125 (MEDLEY 150)
Motor: 1-Zyl.-4-Takt, flüssig gekühlt, SOHC, 4 Ventile, EFI; Hubraum: 124,7 ccm; Leistung: 11 kW (15 PS) bei 9000/min bzw. 12,1 kW (16,5 PS) bei 8750/min; Drehmoment: 12 Nm (15 PS) bei 6500/min; Getriebe: stufenlose Variomatik; Vorderradaufhängung: Telegabel; Hinterradaufhängung: Triebsatzschwinge, Stereofederbeine; Bremsen vo/hi: Scheibe 260 mm Doppelkolben/Scheibe 240 mm Doppelkolben, Zweikanal-ABS; Bereifung vo/hi: 100/80-16, 120/70-14; Federweg vo/hi: 88 mm/76 mm.; Radstand: 1395 mm; Sitzhöhe: 799 mm; Tankinhalt: 7 l; Trockengewicht: 136 kg; Höchstgeschwindigkeit: 99 km/h (106 km/h); Verbrauch (Werksangabe lt. WMTC): 2,4 l/100 km (2,45 l/100 km); Preis: € 3399,– (€ 3599,–), S-Version: € 3499,– (€ 3699,–); Vertrieb/Info: www.piaggio.at


Piaggio Medley 125


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