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ROLLER-TEST

HONDA SH125i MODELL 2020


Text: Redaktion
Fotos: Honda (3), Motomobil (11)
 

LUXUS FÜR ALLE

Unter Berücksichtigung aller Umstände war Individualverkehr für überschaubare Strecken (außer ein Paar Schuhsohlen) wahrscheinlich noch nie so günstig. Und gleichzeitig noch nie so angenehm


Honda SH125i
 


Mit einem Tankzettel, auf dem zarte fünf Euro stehen, kommt man sich in Zeiten der neu-normalen Wirtschaftskrise fast wie ein schäbiger Schnorrer vor. Ein paar Tage später kommt’s noch ärger, lumpige vier Euro. Und das nächste Mal dann nur vier Euro dreißig. So muss Konsumverzicht. Dass an der Zapfsäule im Kleingedruckten eine „kleinste Abgabemenge 5 Liter“ veranschlagt wird, wirkt fast ein bisschen rührend. Der seit einer beliebten österreichischen Fernsehserie der 1980er-Jahre bekannte Spruch ist endlich Realität geworden: „Den können S’ mit der Pipette auftanken, in der Apotheke, haha!“

Dennoch steht auf dem Kilometerzähler regelmäßig eine (seit dem letzten Tankstopp) zurückgelegte Strecke von deutlich über 200 Kilometern. Damit ist auch klar, dass der 2020er-SH125i im Vergleich zum 2017er-Modell ein „Major Update“ ist: Der 2017er genehmigte sich im Durchschnitt noch (im Vergleich zu früheren Achtelliter-Automatikrollern eh schon kulante) 2,6 Liter auf hundert Kilometer. Mit dem neuen SHi wird man sich jenseits von Autobahnfahrten (die sowieso nicht sehr sinnvoll sind) schwer tun, auf einen Alltagsverbrauch über 2,2 Liter zu kommen.

Honda SH125i
Die unverkennbare SH-Designsprache
kommt wieder elegant, und in der
höchsten Entwicklungsstufe
Honda SH125i
Einkaufstour (das kann er gut): 28 Liter
unterm Sitz; 35 Liter in der Box; dazu noch
Gepäckhaken und ebenes Trittbrett
 

Mit dem ganz neuen Vierventilmotor haben die seit 2013 in den SHi eingebauten, reibungsarmen eSP-Triebwerke eine fast unglaubliche Energieeffizienz erreicht, dabei wurden sie auch in jeder Generation leistungs- und drehmomentstärker. Individualverkehr auf diesem Komfortniveau war wahrscheinlich noch nie so angenehm und günstig, gerade einmal ein paar Schuhsohlen sind im Endeffekt vielleicht sparsamer. Seitdem der SH erstmals 2001 mit Viertaktmotor (und seit 2005 mit elektronischer Einspritzung) ausgestattet wurde, fragt man sich immer wieder, was Honda im Dreijahresrhythmus noch viel daran verbessern will? Der 2017er kommt einem noch taufrisch vor – und designmäßig fast sogar avantgardistisch –, und dennoch schaffen sie es immer wieder, den Großradroller in den Jungbrunnen fallen zu lassen.

Fast schon eine designerische Meisterleistung ist es, den neuen SHi vollkommen vertraut erscheinen zu lassen und gleichzeitig die modernsten Technik- und Stylingelemente harmonisch einzufügen: Das typische „Honda-H“ entdeckt man in der markanten Frontansicht immer wieder – diesmal ist das Scheinwerfer-Ensemble ein verkleidetes „H“ aus LEDs mit einem zentralen Fernlicht, das von zwei Abblendlichtern flankiert ist; die Blinker und das Tagfahrlicht befinden sich oben beim Lenker.
 
Honda SH125i
Der ganz neue eSP-Vierventilmotor läuft
enorm kultiviert, ist kräftig und
supersparsam im Verbrauch
Honda SH125i
Denkwürdig in der SH-Historie:
die neue Anordnung der Treibstoff-
und Gepäckbehältnisse
 

Die SHi-Modellpflege ist in fast allen Details deutlich mehr als Kosmetik oder Marketing. Der superkompakte Vierventiler ist – wie bereits erwähnt – spürbar sparsamer, er ist gleichzeitig mit 9,6 kW (13 PS) Leistung abermals etwas stärker, und die Drehmomentkurve ist ein bisschen höher und flacher. Mit der bestens abgestimmten Variomatik wirkt die Beschleunigung so, als ob er das gesetzliche Limit von 11 kW (15 PS) voll ausnutzen würde. Die Tachoanzeige ist um zirka zehn Prozent zu optimistisch, ein echter Hunderter Höchstgeschwindigkeit ist drin. Die Start-Stopp-Automatik arbeitet sowohl perfekt als auch unaufdringlich: Vorwärtsdrang gibt es ab dem ersten Gaszupfer, man kann sie aber auch deaktivieren.

Der konstruktionsbedingte Nachteil von Großradrollern mit freiem Durchstieg und ebenem Trittbrett war bislang der damit einhergehende eher schmächtige Gepäckraum unter dem Sattel. Honda bessert den Stauraum der SH-Serie in Österreich seit langem mit einer serienmäßigen Topbox nach; außerdem kann man seit 2013 sogar einen Vollvisierhelm unter der Sitzbank unterbringen.
 
Honda SH125i
Links hinten der zusätzliche Kofferraum.
Bei manchen Integralhelmen sind
die Lufthutzen im Weg
Honda SH125i
In der sich übers Smartkey-System
automatisch öffnenden Topbox mit 35 Liter
Volumen hat fast alles Platz
 

Mit dem neu konstruierten, verdrehsteiferen Rahmen des aktuellen SH125i schafft Honda sogar so etwas wie einen Durchbruch: Der Treibstofftank ist nun vom Fahrzeugheck (unter dem Soziusplatz) nach vorne unter das Trittbrett verlagert. Das verbessert nicht nur die Massenzentralisierung und damit die Fahrdynamik, sondern schafft Platz für ein zusätzliches zehn Liter großes Fach, das mit seiner Quaderform äußerst praktisch und gut befüllbar ist. Das Gepäckvolumen von insgesamt 28 Litern (50 Prozent mehr als im vorigen Modell) kann sich sehen lassen. Man bringt jetzt also nicht nur den Integralhelm, sondern zusätzlich Jacke und Kleinkram hinein.

Der im Topcase fotografierte Arai Chaser geht sich wegen seiner Lufthutzen leider um ein paar Millimeter nicht ganz aus; man muss die Sitzbank mit einigem Nachdruck ins Schloss drücken – das will man einem teuren Helm und seinem Roller nicht antun. Immerhin ist wegen des genügsamen Treibstoffverbrauchs der Sieben-Liter-Tank für einen guten Aktionsradius ausreichend dimensioniert. Aber trotzdem klein genug, um die Höhe des Trittbretts nicht  anwachsen zu lassen (wie man es bei Unterflur-Tanks leider nur allzu oft gewohnt ist).
 
Honda SH125i
Die Vorderradbremse mit Dreikolbenzange
wirkt unauffällig, ist aber hochwirksam
und feinfühlig zu bedienen
Honda SH125i
Die strenge neue Euro-5-
Emissionsnorm wird vom SHi-Motor
souverän gemeistert
 

Diese in der SH-Modellgeschichte durchaus als historisch zu bezeichnende Rotation hat jedoch auch einen kleinen Nachteil: Das bisher in der Frontschürze platzierte Handschuhfach (in den letzten Versionen mit 12-Volt-Stecker oder USB-Outlet) entfällt völlig. Je nach persönlicher Vorliebe und Gewohnheit kann man das mehr oder weniger gut verschmerzen. Hat man bisher die kleine Box nicht verwendet, fällt die Änderung nicht einmal auf. Außerdem ist die USB-Versorgung jetzt im Hauptfach unter der Sitzbank. Dieser Stecker mit Handy-Ablage kann auch bei eingelegtem Helm genutzt werden; Stromversorgung gibt es bei eingeschalteter Zündung.

Und das neue „smarte“ Topcase (wie seit 2019 im Honda Forza und im SH300i) ist eine mehr als willkommene Entschädigung und eine höchst komfortable Bereicherung des Alltags: Es ist mit dem Smartkey-Fahrzeugsystem (Zündung, Lenkschloss, Sitzbankverriegelung, Tankklappe) synchronisiert, erkennt den den Masterkey in der Hosen- oder Jackentasche und entriegelt die Topbox automatisch bei Annäherung des Fahrers. Nie wieder Gefummel mit Schloss und Schlüsselbund. Die Ertastbarkeit des Druckknopfs an der Unterseite der Box zum Öffnen der Klappe könnte man sich etwas besser wünschen – eine dezente selbstgestrickte optische Markierung dessen Position (wie im „motomobil“-Test des SHi) kann hilfreich sein.
 
Honda SH125i
Auf Knopfdruck gleitet die
Abdeckung des neu platzierten
Einfüllstutzens elegant zur Seite
Honda SH125i
Direkt beim USB-Outlet gibt’s
ein Haltefach, in das sowohl Handy
als auch Powerbank passen
 

In Ansprechverhalten und Wirksamkeit der Bremsanlage (mit Dreikolben-Bremszange vorn und Zweikreis-ABS) entspricht der SHi wie erwartet mindestens den hohen Erwartungen, die an einen Premiumroller gestellt werden. Natürlich auch beim Fahrverhalten; die16-zölligen Laufräder kommen mit Michelin City Grip als Erstausstattung. Das LCD-Display des neuen – mittlerweile vollkommen digitalen – Cockpits scheint um eine Modellgeneration voraus zu sein: Es gibt an der linken Lenkerarmatur gleich zwei Info-Taster, die zum Aufrufen des (aktuell gar nicht so riesigen) Informationsumfanges eigentlich nicht nötig wären. Derzeit gibt es nicht einmal eine Außentemperaturanzeige (obwohl in den Werksgrafiken des Cockpits eingezeichnet), dafür eine im Alltag kaum hilfreiche Bordspannungsanzeige.

Möglicherweise sind diese Bedienungstasten bereits eine Vorbereitung auf noch folgende Funktionaliäten, um in Bereichen wie Konnektivität oder Navigation auf Systeme wie Piaggio MIA oder jenem im Peugeot Pulsion 125 aufzuschließen. Mit perfektem Smartkey und der intelligenten Topbox hat der SH125i seinerseits wertvolle Pluspunkte, die man nach wenigen Tagen nicht mehr vermissen will. Mit Sicherheit eines der verlockendsten Angebote in der Achtelliter-Klasse.
 
Honda SH125i
Das SHi-Cockpit ist ab sofort völlig digital;
Konnektivität wie Smartphone-Anbindung oder
Navigationsanweisungen gibt es noch nicht
Honda SH125i
Die Info-A- und Info-B-Tasten
lassen eine Vorbereitung auf
größere Aufgaben vermuten
 



TECHNISCHE DATEN: HONDA SH125i (Modell 2020)
MOTOR 1-Zyl.-4-Takt, flüssig gekühlt, SOHC, 4 Ventile, EFI
HUBRAUM 124,8 ccm 
LEISTUNG 9,6 kW (13,1 PS) bei 8250/min
DREHMOMENT 12 Nm bei 6500/min 
GETRIEBE automat. Kupplung, stufenlose Variomatik
FAHRWERK Stahlrohrrahmen, Triebsatzschwinge 
AUFHÄNGUNG vo/hi Telegabel 33 mm, Stereofederbeine
RADSTAND 1350 mm
FEDERWEG vo/hi 89/83 mm 
BEREIFUNG vo/hi Michelin City Grip 100/80-16, 120/80-16
BREMSEN vo/hi Scheibe 240 mm/Scheibe 240 mm, ABS
SITZHÖHE 799 mm
TANKINHALT 7 l
GEWICHT (vollgetankt) 133,9 kg
HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT 100 km/h
TESTVERBRAUCH 1,9 bis 2,3 l/100 km
PREIS (inkl. Smart Topcase) € 3790,– (SH150i: € 3990,–)
VERTRIEB/INFO www.honda.at





























INTERVIEW
HONDA-SHi-ENTWICKLUNGSSCHEF YUICHIRO MORIKAWA SPRICHT


Der ehemalige Offroad-Racer und langjährige Honda-Techniker Yuichiro Morikawa ist auch Spezialist für effiziente urbane Fortbewegung. Beim 2020er-SHi war er als Large Project Leader federführend


Yuichiro Morikawa


„motomobil“: Was war – technisch gesehen – die wichtigste Aufgabenstellung bei der Planung des neuen SH125i?
Y. Morikawa: Damit der neue Vierventilmotor nicht nur gleichzeitig stärker und sparsamer ist, sondern auch die strenge Euro-5-Abgasnorm erfüllen kann, mussten wir eine Sensorik für die erforderliche On-Board-Diagnose OBD2 vorsehen. Bei den sehr kompakten Verhältnissen war es schwierig, einen geeigneten Platz für die Schnittstelle zu finden, schließlich kamen wir dann auf die kombinierte ACG-Starter-Lichtmaschine.

Und abgesehen von der technischen Herausforderung?
Neben Europa wird das Modell auch in Vietnam verkauft, wo es ein echtes Flaggschiff der einspurigen Mobilität ist. In Europa sieht man Roller eher als Pendlerfahrzeuge zum Transport von A nach B. Dasselbe Bike, aber unterschiedliche Positionierungen und Anforderungen, das ist eine sehr interessante Aufgabe.

An welchen Fahrzeuge haben Sie bislang bei Honda gearbeitet?
Immer an Commuter-Bikes, und zwar für unterschiedliche Regionen: Thailand, Indonesien, Vietnam, Europa, Südamerika. Zuletzt arbeitete ich am Elektroroller V-Go für China, und dann am Activa 110 für Indien. Das ist ein Megaseller mit über drei Millionen Exemplaren pro Jahr, der in drei Fabriken erzeugt wird. Bei den europäischen Modellen war ich für den PCX und den Wave tätig, und ich konstruierte den Rahmen für den ersten SH300.



Honda SH125i kl


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